Mein Leben ist kein IKEA-Katalog

Brotbrösel neben dem Schrank in der Diele. Stinkende Windeln (ist das eigentlich ein Pleonasmus, oder?) unter der Abwasch im Müll. Reis und Erbsen unter dem Esstisch. Noch eine alte Windel im Waschbecken im Bad. Schmutzige Strumpfhosen im Wäschekorb. Vergammelte Apfelstückchen im Wohnzimmer. Zahnpasta am Spiegel statt im Mund, Fingerabdrücke auf allen Fenstern und Türen.

Das ist unsere Wohnung im Zustand, nachdem ich vor wenigen Stunden geputzt habe. Sie wollen nun wohl nicht wissen, wie es aussieht, wenn der Putz- und Aufräumtag schon mehr als 24 Stunden her ist?! Sie möchten selbst an aufgeräumten Tagen nicht bei uns zu Besuch sein?! Wissen Sie was, ich kann Sie verstehen. Ich würde mich selbst auch manchmal nicht besuchen wollen!

Aber bitte, sagen Sie mir, dass es bei Ihnen auch so aussieht. Zumindest manchmal. An schlechten Tagen. Wenn Sie krank sind zum Beispiel. Oder ein Zusatzprojekt in der Arbeit aufgebrummt bekommt haben. Bitte sagen Sie, dass auch Ihre Wände nur mehr teilweise weiß sind und dass, obwohl sie erst kürzlich ausgemalt haben.

Und bitte, sagen Sie mir, dass Sie das alles gar nicht so schlimm finden. Dass das eben so ist mit Kindern im Haus. Und dass das alles recht gemütlich ist. Dass das Leben eben kein IKEA-Katalog ist, keine Möbeldesignausstellung. Dass Leben wichtiger ist als der Zustand vollständiger Ordnung und Sauberkeit. Dass nur schmutzige Kinder glückliche Kinder sind. Dass also glückliche Kinder nur in nicht perfekten Häusern aufwachsen können. Bitte, sagen Sie mir, dass Sie das alles auch so sehen, denn nur dann kann ich Sie einladen.

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