Arbeit soweit das Auge reicht

Ich bin nicht diffus, ich versuche nur, so viele Dinge wie möglich gleichzeitig zu machen. Ich fühle mich oft so gehetzt, gerade heute. Halte den Stillstand nicht aus. Es muss immer was weitergehen. Produktivität als höchstes Ziel. Als Weg, mit dem Ziel? Mit welchem Ziel?

Unruhe. Sehe Arbeit. Arbeit überall. Die schmutzigen Fugen auf der Terrasse, das Unkraut, die ungewaschene Wäsche.

An manchen Tagen sehe ich Arbeit, wohin ich blicke. Meine vier Wände bestehen ausnahmslos aus Arbeit, habe ich das Gefühl. Sogar an den Annas sehe ich (fast) nur jene Dinge, die erledigt werden müssten. Die zu langen Fingernägel, die ungekämmten Haare, die Essensreste um ihre Münder. Was ich alles tun sollte!

Aber es bleibt ja keine Zeit. Nie habe ich Zeit, Dinge zu erledigen, jammert es dann in mir.

Dabei lasse ich völlig außer Acht, dass ich am Vortag überaus produktiv gewesen bin – sogar mit den Annas gemeinsam. Dass ganz generell in meinem Leben absolut kein Stillstand herrscht, fällt mir dann wieder auf.

Aber warum halte ich allein die Möglichkeit, es könnte Stillstand einkehren, so schlecht aus? Vielleicht weil (laut aktuellem Stand der Wissenschaft) Neues, in welcher Form auch immer, Glücksgefühle auslöst – für kurze Zeit zumindest?!

An so vielen anderen Tagen halte ich das alltägliche Chaos ganz gut aus. Genieße es sogar. Bin stolz darauf, dass ich so entspannt und produktiv gleichzeitig bin. Sage Sätze wie „Nur schmutzige Kinder sind glückliche Kinder.“

Ja, eigentlich überwiegen die Momente, in denen ich die Topfennockerl auf unserem Parkplatz lustig finde. Jetzt gerade ist so ein Moment. Noch vor einer Stunde waren die schmutzigen Terrassenfugen eine existenzielle Bedrohung für mich.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

code