Irgendwann ist man dann peinlich!

Ich habe zwar immer wieder davon gehört – vor allem meine eigene Mutter hat es mir prophezeit – aber wirklich daran geglaubt habe ich nicht. Eigentlich war ich mir sicher, dass mir das nicht passieren wird. Schließlich bin ich ja eine viel coolere Mutter, als es meine Mutter war.
Ich erinnere mich noch gut an einen warmen Frühsommertag in einem Jahr, als die Mauer schon weg, der Euro aber noch nicht da war, die Türme standen noch, E.T. gab es schon. Die Rede ist von  meinem zweiten Volksschuljahr. Das Jahr, in dem meine Mutter beschlossen hat, sich ihre Haare ratz fatz abzuschneiden und lila!!! (mahagoni oder so ähnlich würde meine Mutter jetzt sagen, damit sie in Ihren Gedanken nicht wie ein Punk erscheint) zu färben. Sie hat also extra ihren Friseurtermin so gelegt, dass sie mich anschließend gleich von der Schule abholen konnte – was sonst immer meine Oma erledigt hat.

Hab ich einen Schreck bekommen, als ich meine Kurzhaar-Mama da auf der unteresten der fünf Treppen stehen sah. Sie war gerade mit der Mutter meiner Freundin in ein Gespräch vertieft und sah mich nicht kommen. Diesen Moment habe ich genützt um an ihr vorbeizuschleichen und alleine nach Hause zu gehen. Denn Mamas neue Haare waren mir so peinlich, dass ich nicht als ihre Tochter in der Öffentlichkeit mit ihr gesehen werden wollte. Da war ich 10 Jahre alt und meine Mama war mir ab diesem Zeitpunkt in regelmäßigen Abständen peinlich.

Um ehrlich zu sein ist sie mir immer noch manchmal peinlich. Weil ich immer noch manchmal das Gefühl habe – und dass, obwohl wir uns seit mittlerweile fast 20 Jahren nicht öfter als ein bis zwei Mal die Woche sehen – ich sei eins mit ihr und was sie sagt und tut und macht fällt in der Meinung der Leute eins zu eins auf mich zurück. Was natürlich Blödsinn ist, dessen bin ich mir bewusst.

Zurück zu mir. Ich bin jetzt nämlich auch peinlich. Obwohl ich ja meiner Meinung nach alles andere als peinlich bin, achte ich doch stets auf meine sog. Street Credibility. Alleine dass ich das sage, ist wohl meiner ältesten Anna schon peinlich.

Wann genau ich peinlich bin und warum? Tja, also singen zum Beispiel darf ich auf keinen Fall in Anwesenheit anderer. Schon gar nicht mit Enthusiasmus und keinesfalls diverse Lieder aus meiner Jugendzeit. Sogar in der Kirche bei der Erstkommunion ihrer Schwester war es ihr peinlich, als ich mich bemüht habe, das Vater Unser besonders schön zu singen.

Und gestern war ich ihr auch peinlich. Einfach weil ich da war. Ich bin nämlich zufällig dazu gestoßen, als sich die großen Annas und eine Freundin im Wohnzimmer am Computer ein Hörspiel der „Drei Ausrufezeichen“ angehört haben und genau im Moment meiner Ankunft kam es zu einer Liebesszene, die mich grinsen hat lassen. Das war dann schon peinlich. Ich war peinlich, weil ich da war und weil ich noch dazu gelacht habe.

Sehr gut konnte ich mich plötzlich wieder daran erinnern wie peinlich es mir selbst immer gewesen ist, wenn im Fernsehen eine Liebesszene gezeigt wurde und meine Oma oder meine Mama neben mir gesessen sind. Im Erdboden hätte ich versinken können. Aber warum eigentlich? Spannend fand ich diese Szenen auf jeden Fall. Vielleicht aber wollte ich sie für mich allein haben? Wobei: Wodurch erklärt sich dann die Peinlichkeit? Durch die Tatsache, dass ich nicht wollte, dass Mama/Oma merkt, dass ich das interssant fand?

Wissenschaftliche Forschung sagt… Pubertät usw.

Naja auf jeden Fall bin ich jetzt auch peinlich, mein Mann auch, aber nicht so sehr, hat mir meine Tochter erklärt. Außer er singt.

Hallo Pubertät!

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